Kommentar: Ortskundeprüfung muss bleiben!

BZP-Vizepräsident Peter Zander will verhindern, dass die Qualität für den Fahrgast ausgehöhlt wird.

In der „Hamburger Erklärung“ des CDU-Bundesvorstandes von Anfang Januar heißt es, dass neue Mobilitätsdienst-Anbieter bislang in einer rechtlichen Grauzone arbeiten. Merkwürdigerweise kommt man zu dem Schluss, dass zu hinterfragen sei, ob bei den modernen Navigationsgeräten die Ortskenntnisse von Taxifahrern so streng geprüft werden müssen wie bisher. Gleichzeitig konstatiert man, die Personenbeförderung ohne Lizenz und Sachkundenachweis sowie ohne entsprechenden Versicherungsschutz stelle ein hohes Risiko für die Fahrgäste dar. Das ist richtig und deswegen muss hier mit aller Kraft zerstörerischen Angreifern wie UberPop Paroli geboten werden.

Der Ansatz, Ortskenntnisprüfungen wegen moderner Navis zu vereinfachen, ist aber ein Irrweg. Vor Allem in Großstädten sind schon heute fast alle Taxen mit einem Navigationssystem ausgestattet. Das ändert aber nichts an der wachsenden Zahl der Beschwerden über mangelnde Ortskunde. 
Peter Zander betrachtet die
Ortskunde als Qualitätsmerkmal
Abgesehen davon, dass Navis oft auf die schnellste Strecke eingestellt sind und der Fahrer dadurch gegen das Gebot verstößt, den kürzesten Weg zu fahren, helfen sie auch wenig, wenn es darum geht, den Kunden über das nächste Krankenhaus, Adressen von Arztpraxen oder öffentlichen Einrichtungen zu informieren sowie touristische Attraktionen zu präsentieren.

Gerade das aber erwarten viele Fahrgäste von „ihrem“ Taxifahrer. Und was passiert, wenn das Navi ausfällt? Wer sich also über mangelnde Ortskunde beklagt, handelt krass kontraproduktiv, wenn er die Ortskundeprüfung zu Gunsten von Navis streichen will. Navis finden selten den kürzesten und effektivsten Weg. Für die Kundschaft würde es also oft teurer und viele Taxifahrer würden sich zurücklehnen und sich nicht mehr um ihre Qualifikation kümmern, weil das Navi ja angeblich alles für sie erledigt. Mit Navi und ohne Prüfung wird die Zahl der „Du sagen - ich fahren“-Fahrten massiv steigen, die Qualität der Beförderung aber auf der Strecke bleiben.

Was nicht sein darf, ist, dass die gesetzlichen Mindeststandards der gewerblichen Beförderungen gesenkt werden sollen, damit illegale „Dienstleister“ besser Geschäfte machen können. Wer sich über schlechte Qualität beklagt, sollte zum Schutz der Verbraucher Mindeststandards wahren oder verbessern, statt durch Erleichterungen den Verbraucherschutz noch mehr auszuhebeln. Wenn die Standards abgesenkt werden, wird die Diskussion über die Qualität unweigerlich eine neue Dimension erreichen. Dabei ist es völlig unbegreiflich, dass ausgerechnet diejenigen die Standards senken wollen, die heute lautstark protestieren, wenn ihr Taxifahrer den Weg zum Ziel nicht sofort findet.

(Auszug aus BZP-Report 1/2015, Erscheinungstermin 30.1.2015)