Kommentar: Ihr schneidet Euch ins eigene Fleisch!

BZP-Vorsitzender Michael Müller bittet diejenigen Unternehmer, die MyTaxi-Aufträge durchführen oder zulassen, um ein kurzes Nachdenken.

Die Applikation MyTaxi habe ich eine Zeitlang mit Distanz betrachtet, da sie nicht gewerbeeigen ist. Letztlich aber war zumindest ein positiver Aspekt, dass diese App den rechtlichen Rahmen anders als Uber nicht in Frage stellte, sondern die Vermittlung von ordnungsgemäßen Taxifahrten betrieb. Ein neuer Wettbewerber, auf den man sich auch aus Sicht der gewerbeverbundenen Taxizentralen einstellen musste - und bisher konnte! Diesen Wettbewerb werden wir auch nicht verhindern können.

Nun aber ist eine neue Situation entstanden: Im letzten Dezember fing MyTaxi an, den Vermittlungswettbewerb mit unfairen und rechtlich zweifelhaften Mitteln zu führen.

Michael Müller: „Setzt Euch nicht
dem Preisdiktat von MyTaxi aus!“



Die mittlerweile von Daimler übernommene Gesellschaft zahlt nicht nur Provisionen für neugewonnene Taxifahrer, sie rabattiert zudem Fahrgästen mit bis zu 50 Prozent die Taxifahrten. Dies ist kein normaler Akt von Kundengewinnung über qualitative Maßnahmen, sondern eine Verdrängung der Taxizentralen mit
finanziellen Mitteln, welche die Taxizentralen nicht haben. Das ist eine klare Dumping-Attacke gegen die bewährten Strukturen. Es ist auch deshalb unfair, da die Zentralen, die als Genossenschaften von Taxiunternehmern betrieben werden, sich einem Unterbietungswettbewerb aus tarifrechtlichen Gründen gar nicht stellen dürfen.

Hier kommt nun mein Appell an diejenigen, die MyTaxi-Aufträge fahren: Auf den ersten Blick mag es ja ganz nett sein, sich so zusätzliche Aufträge zu besorgen. Wenn dies aber zusammen mit den Rabattaktionen dazu führen sollte, dass größere Anteile von Fahrten zu MyTaxi gehen, steigt damit die Abhängigkeit dieser Unternehmer von MyTaxi. Es folgt ein Teufelskreis: MyTaxi hebt sofort
die Vermittlungspreise, wenn sie über genügend Fahrten verfügt. 2014 waren bis zu 30 Prozent Provision angedacht, die nur durch massiven Widerstand gestoppt und auf 15 Prozent limitiert werden konnte. Sollte sich die Vision von MyTaxi verwirklichen - Kundengewinnung und Plattmachen der Zentralen - tragen alle Unternehmer die Folgen. Denn dann sind sie abhängig von MyTaxi, weil das Unternehmen bestimmt, was die Taxiunternehmen vom Umsatz abgeben müssen. Wer heute von MyTaxi Aufträge abnimmt, ist morgen dem Preisdiktat schutzlos ausgesetzt. Heute haben Sie mit Ihrer Stimme in der Genossenschaft die Vermittlungskosten noch in der Hand. Morgen zahlen Sie die Aufträge, die Sie jetzt für MyTaxi ausführen, mit einem Vielfachen zurück. Überlegen Sie sich das und entscheiden Sie: Will ich das Taxizentralenwesen beibehalten oder will ich kurzfristige Auftragsbeschaffungen mit höchst schädlichem Ende!  

 
(Auszug aus BZP-Report 3/2015, Erscheinungstermin 4.5.2015)