Großer ÖPNV und Taxi wachsen zusammen

BZP-Vorstand Roland Böhm meint, dass insbesondere die Entwicklung im ländlichen Gebiet nach Kooperationen verlangt.

Die demografische Entwicklung in Deutschland mit einerseits sinkenden Einwohnerzahlen und andererseits mit den Senioren als einziger wachsender Bevölkerungsgruppe hat voraussichtlich zwei Effekte für die Taxibranche: In der Stadt wird es zu einer Auftragsbelebung führen, da der Taxiverkehr noch mehr in die Rolle eines Garanten innerstädtischer Mobilität wächst - wir sprechen hier gerne von steigender Taxi-Angewiesenheit.

Denn der eigene PKW ist bei den Älteren nicht mehr unbedingt vorhanden. Anders ist es im ländlichen Raum, der von einer hohen PKW-Motorisierung geprägt bleibt.
BZP-Vorstand Roland Böhm: „Die demo-
grafische Entwicklung ist schon spürbar
Aber auch die „großen“ ÖPNV-Anbieter bleiben auf dem Land nicht ungeschoren. Weniger Kinder und Jugendliche bedeuten weniger Schülerverkehr. Damit aber ist auch das Angebot für den Berufs-, Versorgungs- und Freizeitverkehr, der sich an den Schülerverkehr dranhängt, nicht einmal mehr annähernd kostendeckend zu gewährleisten. Auch die Taxiunternehmen in strukturschwachen Gebieten sind bereits erkennbar vom demografischen Wandel betroffen. Da kaum mehr Fahrgäste da sind, ist im ländlichen Raum auch trotz großer Anstrengungen ein wirtschaftlicher Taxibetrieb nicht mehr leistbar.

Auch wir merken schon, dass die verbliebenen Unternehmer in der Fläche sich teilweise zurückziehen und höchstens noch Mietwagenverkehr betreiben, bei dem sie keine Betriebs- und Beförderungspflicht haben. Auf zehn Prozent der Fläche Deutschlands gibt es gar keine Taxiunternehmer mehr. Genau dort wollen aber auch die großen ÖPNV-Betriebe wegen der aufgezeigten Schwierigkeiten den Linienbetrieb einstellen und durch bedarfsgesteuerte Bedienformen ersetzen.

Das ist der Hintergrund, sehr bald Kooperationen einzugehen. In den Diskussionen mit den ÖPNV-Trägern ist mittlerweile die Einsicht erkennbar, dass eine Aufrechterhaltung des Mobilitätsangebots auch bedeuten kann, dass solche von Taxenunternehmen geführte Verkehre bezuschusst werden müssen.

Den ÖPNV-Trägern ist mehr und mehr bewusst, dass es billiger ist, dem Taxiunternehmen einen kostendeckenden Betrieb auch durch Subventionen zu ermöglichen, statt viel mehr Geld in ein nicht ausgelastetes Bussystem zu stecken. Ich rufe alle Interessierten auf, den Kontakt zum ÖPNV-Träger zu suchen. Noch nie war dessen Bereitschaft zu Kooperationen so groß. Dabei werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Aufgabenträger erfüllt seine Pflicht zur Gewährleistung des Mobilitätsangebotes, die Kooperation sichert auch die Existenz eigener Taxibetriebe im ländlichen Raum.

Ihr Roland Böhm

(Auszug aus BZP-Report 2/2014, Erscheinungstermin 14.3.2014)