Kommentar: Die Maske ist verrutscht!

BZP-Präsident Müller deckt auf, dass das von mytaxi auf Versteigerung umgestellte Gebührenmodell das Gegenteil von „fair“ ist.

Die Macher der Hamburger mytaxi-App haben angekündigt, dass sie ab Februar das Preismodell für die Vermittlung von Aufträgen durch ihre App von bisher 79 Cent netto auf ein Auktionsmodell umstellen werden. Wer einen Fahrtauftrag vermittelt bekommen möchte, kann per Gebührenregler in der Fahrerversion der App einstellen, ob er drei bis 30 (!) Prozent des Fahrpreises an mytaxi abgeben möchte. Vollmundig nennen dies die Startupler „Fairmittlungsgebühr“.


Michael Müller: "Mytaxi nimmt bis
zu einem Drittel des Fahrpreises!"

Ich glaube, mit dieser Aktion erweisen sie sich einen Bärendienst. Denn die Maske dessen, der nach eigenem Bekunden die armen Unternehmer vor der Allmacht der Taxizentralen schützen wollte, ist verrutscht. Mytaxi hat jetzt herausgelassen, dass keineswegs Altruismus, sondern natürlich Profitwunsch der Motor des Systems ist. Sicher ist vielen Taxiunternehmern jetzt klar geworden, welche Absichten wirklich verfolgt werden. Angesichts der überall sehr dünnen Margen der Unternehmen und des drohenden Mindestlohnes ist der Zeitpunkt für das Ausrufen eines ruinösen Wettbewerbs im Gewerbe ausgesprochen verfehlt. Außerdem ist das Versteigerungsgebot eines Fahrers ein Systembruch: Der Unternehmer ist Vertragspartner des Kunden, keinesfalls der Fahrer.

Das System insgesamt wird auch zum Nachteil des Kunden sein, wenn es denn zustande kommen sollte. Der Fahrer, der am meisten bietet, bekommt die Fahrt. Da mag auch die Beteuerung, dass ein Verteilmodell von Nähe des Fahrzeuges zum Besteller, Fahrerbewertung und Gebührenquote angewandt wird, nicht darüber hinwegtäuschen, was passieren wird: Der Kunde wird länger auf sein Taxi warten müssen und der Unternehmer zahlt die höheren Betriebskosten für die längere Anfahrt. Und das Grundproblem bleibt bestehen: Die mytaxi-App bietet keine eindeutige Sicherheit für den Kunden, denn die Fahrtvermittlung geht nicht wie bei der Zentralenvermittlung mit Sicherheit in ein konzessioniertes Taxi, sondern sie geht auf ein Smartphone, wer immer dieses innehat und nutzt. Missbrauch ist damit nicht auszuschließen, der Verbraucherschutz ist gefährdet.

Schon das bisherige Modell hat dem Unternehmer Verantwortung entzogen, nun kommt hinzu, dass er nicht einmal mehr seine Kosten kalkulieren kann. Das liegt nun maßgeblich in der Hand des Fahrers. Auch wenn Gerüchte aufkommen, dass mytaxi wegen des Proteststurms auf 15 Prozent deckeln wird - eines bleibt auch dann: Wer darauf anspringt, der kriegt keine „Fairmittlung“, sondern für Unternehmen und Fahrgäste ist die Folge ein „Fairlust“.

Ihr Michael Müller

(Auszug aus BZP-Report 1/2014, Erscheinungstermin 24.1.2014)