Rückblick auf Köln: Die Mitgliederversammlung des BZP unterstreicht die Geschlossenheit des Gewerbes, die Europäische Taximesse betont ihre internationale Ausrichtung und glänzt mit hohen Besucherzahlen.

Im November 2012 war Köln wieder DER Mittelpunkt des europäischen Taxigewerbes. Die im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes e.V. (BZP) am 9.11.2012 eröffnete Europäische Taximesse hat mit dem Motto „TAXI - Anytime! Anywhere!“ ihre internationale Ausrichtung betont.  Enorme Besucherzahlen aus dem In- und Ausland, hochkarätige Referenten und ein wieder hervorragend besuchtes IRU-Symposium unterstreichen abermals die herausragende Rolle der weltweit größten Messe für das Taxigewerbe.

Auf der BZP-Mitgliederversammlung am 8.11.2012 standen im internen Teil zunächst turnusmäßige Wahlen an. Mit den einstimmigen Wiederwahlen von Vizepräsident Dietmar Schmidt (Berlin) und Vorstand Wolfgang Oertel (Chemnitz) per Akklamation demonstrierten die über 100 Delegierten des Bundesverbandes Einigkeit.


Einstimmig wiedergewählt: Schmidt und Oertel

BZP-Präsident Michael Müller berichtete dann über den Stand einer gemeinsamen Schnittstelle gewerbezugehöriger Taxi-Bestell-Apps. Auf Grundlage des Auftrages des Erweiterten Vorstandes vom Frühjahr habe der BZP moderierend zur Versachlichung der Diskussion beigetragen und die unterschiedlichen Gruppen zusammengeführt. In separaten Gesprächskreisen der Systemhersteller, App-Vermarkter und der Zentralen habe man erfolgreich vermittelt und die grundsätzliche Bereitschaft zur gegenseitigen Öffnung der Vermittlungssysteme für Aufträge mittels einer Schnittstelle erreicht, die vom BZP als neutrale Stelle verwaltet werden soll. Die BZP-Schnittstelle werde dann aktiv, wenn die gewerbezugehörigen bundesweiten Apps taxi.euTaxi Deutschland oder Cab4me bzw. die jeweiligen lokalen Apps innerhalb der eigenen Herstellerfamilie (GefoS, fms oder Seibt & Straub) keine Zentralen vor Ort finden. Dann werde der Zugang zum BZP-System geöffnet, an Anbieter vor Ort weitergeleitet und ggf. auch noch die dortige Verteilung geregelt. Ziel sei, dass das gesamte Gewerbe mit möglichst wenig Apps auskommt und - aus Sicht des Kunden - mit einem App flächendeckend Zugriff auf praktisch die gesamte Taxiflotte möglich ist.
Der BZP will mit einer App Zugriff auf alle Taxis 
Dabei wolle der BZP keinerlei Entgelte, also weder für die Annahme von Aufträgen aus den Applikationen taxi.eu, Taxi Deutschland oder Cab4me noch für die Abgabe von Aufträgen an die Systeme FMS, GefoS oder Seibt & Straub. Die Mitgliederversammlung begrüßte die Ergebnisse und beauftragte Vorstand und Geschäftsführung einstimmig, die Entwicklung der gemeinsamen Schnittstelle in diesem Sinne weiter voranzutreiben.              
   
Im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung konnte BZP-Präsident Müller dann auch wieder zahlreiche Vertreter der mittlerweile auf die Anzahl von 27 angewachsenen Fördermitglieder sowie der Fachpresse  begrüßen. In seinem fast einstündigen gewerbepolitischen Bericht legte der vor einem Jahr neu gewählten Präsident detailliert Rechenschaft über sämtlichen Belange und Aktivitäten des Gewerbes und seines Bundesverbandes ab. Der Geschäftsverlauf sei stabil, für 2013 müsse man sich aber auf eine Eintrübung der Konjunktur und einen Rückgang des Geschäftsreiseverkehrs einstellen.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der politischen Arbeit bilde die PBefG-Reform. Nach langen Grabenkämpfen habe die Politik einen Kuhhandel betrieben, als „Kollateralschaden“ wurden allerdings bei der Umsetzung der eigentlich nur den Busverkehr betreffenden EU-Regelungen mit dem Wegfall der Anforderung der Geschäftsmäßigkeit in § 1 sowie des (nach BZP-Interpretation) Wegfalls der Formenstrenge durch Ausnahmegenehmigungsmöglichkeiten auf Länderebene für jegliche „Sonderformen“ des Verkehrs durchs Hintertürchen und ohne angemessene Anhörung des Gewerbes im letzten Moment doch Änderungen eingeführt, die erhebliches Ungemach befürchten lassen. Es sei gerade in neoliberal orientierten Bundesländern zu erwarten, dass diese Vorschriften extensiv angewendet werden, Modellversuche wie die „Mobilfalt“ in Nordhessen seien da wohl erst der Anfang. Zwar gebe es die Zusage, die Entwicklungen genau zu beobachten und gegebenenfalls auch gegenzusteuern, doch nütze das am Ende wenig. Das sei die Politik in Deutschland: Zunächst wird der Schaden angerichtet, danach kann man nach Kehrbesen und Schaufel suchen, um den Mist wieder wegzuräumen.

Massiver Handlungsbedarf bestehe auch bei den Themen „Fiskaltaxameter“, Fahrpersonalgesetz und Mindestlohn sowie den EU-Arbeitszeitrichtlinien für mobile Arbeitsplätze. Positiv gebe es zu berichten, dass es auch von hoher Stelle aus dem Bundesverkehrsministerium mittlerweile Signale gibt, die anachronistische Ausnahmeregelung von der generellen Anschnallverpflichtung endlich zu streichen.

Eine sich immer weiter herauskristallisierende Herausforderung sei der Fahrpersonalmangel. Die Qualifizierungsoffensive und ein festes Berufsbild seien einige der Maßnahmen, um das Gewerbe für motivierte Arbeitnehmer attraktiv und wünschenswert zu gestalten, vom BBI und dem Kuratorium der Wirtschaft habe man kürzlich positive Unterstützungssignale für den BZP-Vorschlag einer zweijährigen Berufsausbildung mit einem optional dritten Jahr bekommen. Örtliche Qualifikationsmodelle wie das in Zusammenarbeit mit der IHK vergebene Kölner Taxidiplom seien weitere wichtige Bausteine für eine nachhaltige Qualitätsoffensive. Das zusammen mit TÜV/Dekra entwickelte Unternehmerzertifikat werde ebenfalls weiter verfolgt und entwickelt. Ein weiterer positiver Beitrag auch, dass der BZP als Teil eines internationalen Konsortiums an einem EU-Schulungs- und Qualifizierungsprojekt für das Taxigewerbe mitarbeitet, der offizielle Projektstart stehe unmittelbar hervor. Auch werde die IFAK-Qualitätsstudie für das Taxigewerbe 2013 weiter entwickelt und differenzierter fortgeführt.


Der BZP hat TAXI-Image-Folder aufgelegt

Das Taxigewerbe müsse in der Politik und Öffentlichkeit besser wahrgenommen werden. Schließlich sei man der einzige Mobilitätsgarant, der 24 h am Tag Mobilität leistet. Insbesondere auf dem Land werde die Bedeutung zunehmen, weil das Taxigewerbe dort die deutlich bessere Alternative zum sich auf dem Rückzug befindlichen klassischen ÖPNV bieten kann. Man müsse nicht nur Gutes tun, sondern dieses auch nach außen tragen.

Ein Teil der Medienarbeit sei die deutsche „TAXI - Jederzeit! Überall!“-Kampagne als Bestandteil der internationalen IRU-Initiative. Hierzu habe man den deutschsprachigen Image-Folder aufgelegt, der mit einer vom Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit entwickelten 6. Seite speziell das deutsche Gewerbe beleuchtet. Der niedersächsische GVN habe für die Kampagne eine Werbefolie für die Seitentüren entwickelt, mit der rund 250 Fahrzeuge beklebt werden. Diese könne auch anderen Mitgliedorganisationen zur Verfügung gestellt werden.  

Mit NFC, einem internationalen Übertragungsstandard zum kontaktlosen Datenaustausch über Kurzdistanzen, kämen mit dem Ende der Magnetstreifenära ganz neue bargeldlose Zahlungssysteme auf das Gewerbe zu. Mit den neuen Mitgliedern Telecash und Easycash habe der BZP hierzu starke Partner ins Boot geholt.

Eine völlig andere Variante des bargeldlosen Zahlungsverkehrs stellte dann Dirk Hagemann, Vizepräsident der Abteilung „Payment Innovations“ bei der Deutschen Post, mit PAYSMART vor.  Der Global Player Deutsche Post hat damit ein Zahlungssystem entwickelt, das völlig ohne zusätzliche Hardware auskommt, auch der Kunde benötigt lediglich ein Smartphone. Damit ist das System für eine Vielzahl von stationären und mobilen Anwendungsfällen wie z.B. Lieferservices oder auch das Taxigewerbe geeignet. Der Kunde scannt mit seinem Smartphone mit einem speziellen App einen sogenannten QR-Code beim Akzeptanten, gibt dann den Betrag ein und bezahlt per einfachem Click. Es erscheint eine mit Symbolen authentifizierbare Quittung auf dem Display - fertig. Der Akzeptant muss nur noch die Quittung prüfen und anhand einer Prüfliste verifizieren. Er benötigt also nur einen QR-Code und eine Liste. Die Transaktionskosten werden mit Zahlungsgarantie unter denen von Kreditkarten liegen, Zahlungseingang ist bereits am nächsten Tag.

Präsident Müller beendete dann die Sitzung mit seinem herzlichen Dank an die Sponsoren und Veranstalter der begleitenden Rahmenveranstaltungen und Events, insbesondere Mercedes-Benz und Volkswagen für deren eigenen Abendveranstaltungen, der Signal Iduna-VersicherungKienzle Argo Taxi International sowie Citroën, Peugeot, Ford-Fiegl und Toyota

Europäische Taximesse:  


Ruhe vor dem Sturm auf der ETM bei Volkswagen

 Gut 14.000 Besucher stellten der Europäischen Taximesse am 9. und 10. November wieder ein hervorragendes Zeugnis aus, das Niveau lag auf dem der (Rekord-)Vorjahre 2008 und 2010. Mit 109 Ausstellern aus 15 Ländern wurde dem interessierten Fachpublikum aus dem In- und Ausland - schätzungsweise rund ein Viertel der Besucher kam wieder aus dem Ausland - eine enorme Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen rund um das Gewerbe gezeigt. Von Abrechnungsdienstleistern für Krankenfahrten, Anbietern von Vermittlungssystemen und Taxametern bis hin zu Spezialversicherern wurden alle Wünsche erfüllt. Auch Taxi-Modellautos in einer sagenhaften Vielfalt wurden von den Kollegen des Taxi Ruf Köln angeboten.  
 
Mercedes-Benz hat Taxis in jeder Größe ....

An erster Stelle des Interesses standen aber natürlich die „großen“ Autos, und da gab es einiges zu bewundern. Mercedes hatte das größte Fahrzeug zu bieten: einen MB Actros-Lkw in „Das Taxi“-Design, gigantischem Taxi-Dachschild und satten 375 kW - ein sicher höchst dekorativer, wenn auch nicht ganz ernst gemeinter Investitionsvorschlag für die Unternehmer. Ansonsten drehte sich viel um alternative Antriebskonzepte. Dabei standen weniger die E-Taxi-Konzepte von (vielleicht) übermorgen, als vielmehr kurzfristig zur Verfügung stehende und auch dem rauen Taxialltag gerecht werdende Antriebsalternativen zum klassischen Diesel im Mittelpunkt. Daimler präsentierte die neue B-Klasse im Erdgas-Trimm, der B 200 Natural Gas Drive wird nicht zuletzt durch seine Wirtschaftlichkeit und 500 Km Reichweite sicher viele Freunde im Gewerbe finden. 
 
Dieselhybrid Nummer 1: Citroën DS 5 Taxi-Studie
 
Während die mittlerweile zahlreichen Benzin-Hybrid-Modelle im Taxigewerbe eher ein Exotendasein führen, erscheint dem Gewerbe die Kombination Elektroantrieb mit Diesel wie auf den Leib geschnitten.

Auf dem Doppelstand von Citroën und Peugeot hierzu gleich zwei Vorschläge: die Citroën DS 5 Taxi-Studie sieht nicht nur „sexy“ aus, sondern überzeugt mit einem kombinierten Verbrauch von nur 3,5 l/100 km bei einem CO2-Ausstoß von 91 g/km.


Dieselhybrid Nummer 2: Peugeot 508 RXH

 

Auf der gleichen Technologie basiert der Peugeot 508 RXH, der als Taxi seine Weltpremiere feierte.  Die Verbindung vom vorderen Dieselmotor mit dem Elektroantrieb an der Hinterachse ermöglicht nicht nur den Antrieb aller vier Räder, sondern auch rein elektrisches Fahren auf Kurzetappen. Der Verbrauchsvorteil gegenüber konventionellen Dieseln soll laut ADAC bei rund einem Drittel liegen.


Viele Spezialumbauten waren in Köln zu sehen

Neben der kompletten topaktuellen Taximodellpalette von Volkswagen, verschiedenen Modellen von Opel, Ford und diversen Importeuren waren aber vor allem die zahlreichen behindertengerechten Umbauten von rund einem Dutzend Anbieter bemerkenswert. Weisen diese Spezialfahrzeuge doch eindeutig auf einen Zukunftsmarkt hin, der bisher noch viel zu wenig Beachtung im Gewerbe findet.                
                         

2 Tage lang "Full-House": Der BZP-Stand im Mittelpunkt

Über mangelndes Interesse konnte sich auch der BZP-Messestand wieder nicht beklagen. Tausende von Besuchern hielten Delegierte, Ausschussmitglieder und das Messe-Team des Bundesverbandes an beiden Messetagen gehörig in Schwung, allein rund 2.500 Taxi-Image-Folder „TAXI - Jederzeit! Überall!“ gingen über die Theken. Die Kollegen vom Taxi Ruf Köln stifteten anlässlich ihres 75. Jubiläums Modellautos, womit ein Spendenerlös von gut 1.500 Euro zugunsten der TAXIstiftung erzielt wurde. Auch die International Road Transport Union (IRU) zeigte in der Messehalle wieder Flagge und wandte sich mit einem im BZP-Stand integrierten Counter an das zahlreiche internationale Publikum. 

Dem internationalen Anspruch wurde die ETM auch durch ihre politischen Foren wieder mehr als gerecht: Auf dem mittlerweile 5. internationalen Taxiforum der IRU wurde das Leitmotiv „TAXI - Anytime! Anywhere!“ vor allem in Hinblick auf Dienstleistungsqualität, Qualifizierungsmaßnahmen und regulatorische Eingriffe aus den unterschiedlichsten nationalen Perspektiven untersucht. Bemerkenswert auch hier die hohe Internationalität des Publikums, insbesondere aus Osteuropa waren viele Gewerbevertreter angereist. Interessenten sei hier die umfassende Information auf der IRU-Webseite (http://www.iru.org/en_5thtaxiforum) mit zahlreichen Vorträgen zum Download sehr ans Herz gelegt!
 
Bei der BZP-Abschlusskundgebung am Samstagnachmittag begrüßte BZP-Präsident Müller MdB Sören Bartol, den verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, als Dialogpartner.

 
MdB Bartol und BZP-Präsident Müller im Dialog
Von der Fachjournalistin Conny Czymoch souverän moderiert, tauschten sich die Experten profund und unterhaltsam über die brennendsten Themen aus: Fiskaltaxameter, kleine Sach-und Fachkunde, Mindestlöhne, Überfallschutzkamera sowie die jüngste PBefG-Reform. Die über 5.000 Zuschauer konnten sich dabei über klare Bekenntnisse des Verkehrsexperten zum Taxi erfreuen, so ist ein ÖPNV nach Bartols Auffassung ohne Taxi gar nicht vorstellbar und könne auch niemals ein guter ÖPNV sein. Insbesondere in kommenden Mobilitätsangeboten komme dem Taxi eine wichtige Rolle zu. Er verstehe die vom BZP geäußerte Kritik an der PBefG-Novelle, persönlich teile er sie auch zumindest teilweise, so z.B. hinsichtlich der Entgeltlichkeit. Die Aufweichung der Formenstrenge werde nach einer Absprache der SPD mit den Grünen 2017 auf Auswirkungen überprüft. Hier bestehe aber auch eine große Chance für das Gewerbe, mit eigenen Modellen und Mobilitätskonzepten neue Märkte zu entwickeln. Konzeptionell müsse sich das Gewerbe auch auf den Mindestlohn einstellen, mit taxifahren müsse eine menschenwürdige Existenz möglich sein.


Über 5.000 Taxler verfolgten das Expertengespräch .... 

100%ige Unterstützung von Bartol für die Forderungen von BZP-Präsident Müller, dass auch der Mietwagen sämtliche künftigen Fiskaltaxameter-Anforderungen erfüllen muss und die Sonderregelungen bei der Gurtpflicht gestrichen gehören. Eine spontane Rundfrage der Moderatorin im Saal ergab, dass sich die große Zahl bereits heute ausnahmslos anschnallt(!). Besonders großen Applaus des Publikums erntete Sören Bartol dann auch für sein eindeutiges Bekenntnis zur einheitlichen Taxifarbe Hellelfenbein.            


... der glückliche Gewinner: Hüseyin Sen aus Frankfurt

Viele zufriedene Gesichter am Ende also, aber mindestens auch ein richtig glückliches: In der Tombola konnte sich mit Hüseyin Sen ein junger Frankfurter Unternehmer über den von Mercedes-Benz-Vertrieb Deutschland gestifteten „traditionellen“ Hauptgewinn freuen, einen nagelneuen Mercedes E 200 CDI „Das Taxi“.   

Fotos: Peter Jost und Frederik Wilhelmsmeyer

(Bericht vom 20.11.2012)