Sitzung des Erweiterten BZP-Vorstandes und 14. Taxitag in Leipzig: Der Bundesverband will die Dienstleistung Taxi bundesweit vermarkten - Zentralendatenbanken, einheitliche Schnittstellen, Internetportale und Mobilfunkapplikationen sind dabei mögliche Wege zum besseren Kundenkontakt. Die AMI verabschiedet sich mit einem sehr gelungenen Taxitag in einen zweijährigen Turnus.

Bereits seit 1997 ist der Bundesverband Partner der „Auto Mobil International" in Leipzig, der zweitgrößten Automesse Deutschlands. Auf dem Leipziger Messegelände tagte der Erweiterte Vorstand des BZP, um die gewerbepolitischen Weichen am Vortag des Taxitages am 13.04.2010 zu stellen. Neben besserer Dienstleistungsqualität und der BZP-Sicherheits- und Qualifizierungs-Initiative stand vor allem die bessere Vermarktung der Dienstleistung Taxi im Fokus der Beratungen.

Nach internen Beratungen öffneten sich die Pforten im immer noch hochmodernen Congress-Centrum der Messe Leipzig, der über 130 Besucher fassende Saal war schnell bis auf den letzten Platz mit Delegierten der Gewerbeorganisationen und Fördermitgliedern aus der Industrie gefüllt. Die Versammlung gedachte zunächst den seit der letzten Zusammenkunft ermordeten Kollegen Erhard Peters aus Oldenburg und Peter Lüchow aus Hamburg.

In seinem Rechenschaftsbericht wusste Verbandspräsident Fred Buchholz allerdings zu berichten, dass sich die Sicherheitslage trotz dieser grauenhaften Geschehnisse insgesamt wohl positiv verändert habe. Nach ersten Meldungen der BG Verkehr habe sich die sinkende Anzahl von Überfallverletzten aus dem Jahr 2008 auch 2009 fortgeschrieben und sei damit deutlich niedriger als in den Jahren 2007 und zuvor ausgefallen. Diese erfreuliche Entwicklung sei wohl Ausdruck der erweiterten technischen Möglichkeiten und Sicherheitsanstrengungen im Taxi.



BZP-Präsident Fred Buchholz erstattet den Rechenschaftsbericht

Positive Unternehmenszahlen und Expertenprognosen, ein wiedererstarkender DAX-Kurs sowie erstmals wieder sinkende Arbeitslosenzahlen ließen auch vorsichtig auf ein besseres wirtschaftliches Umfeld hoffen, worauf auch die von zumindest einigen Zentralen signalisierten Zuwächse bei den Taxibestellungen hinwiesen. Zwar habe das Gewerbe im bisherigen Verlauf der Krise branchenumspannend ein Minus von 10-15 % einstecken müssen, damit stehe man aber im Vergleich mit anderen Branchen und insbesondere Dienstleistern - nach einer weltweiten Wirtschaftskrise - trotz erheblicher Einbußen in den „Flughafenstädten" gar nicht so schlecht da, wie noch im Laufe letzten Jahres zu befürchten war.

Unverändert arbeite der BZP daran, die Notwendigkeit seiner Qualifizierungsoffensive weiter in die Köpfe der Politiker, Beamten und Vertreter weiterer wichtiger Institutionen wie dem DIHK und den Kammern zu verankern. Unter der modifizierten Überschrift „Sicherheits- und Qualifizierungsoffensive" habe man den Schwerpunkt der Sicherheitsverbesserung deutlicher ins Spiel gebracht. Taktisch gehe man jetzt auch den Weg über die Bundesländer, weil bei der neuen Bundesregierung angesichts des neuen Koalitionspartners der Fortgang deutlich schwieriger geworden ist. Die Hauptforderungen des Verbandes bestünden weiterhin in der Einführung einer „Kleinen Fachkunde" für Taxi- und Mietwagenfahrer, einer bundeseinheitliche Vorschrift über einen auszulegenden Fahrerausweis und der überfälligen generelle Anschnallpflicht in Taxis und Mietwagen.

Zur Fachkundeprüfung für die angehenden Unternehmer berichtete Buchholz über eine sehr erfolgreiche Intervention des Bundesverbandes. Einige IHK´s hatten versucht, im Zusammenhang anstehender Änderungen aufgrund einer neuen EU-Verordnung für die Zulassung zum Beruf des Verkehrsunternehmers bei der nationalen Berufszugangsverordnung (die den Verkehr mit Taxen und Mietwagen eigentlich gar nicht berühren) gleich die mündliche Prüfung zu kassieren. Der umgehende und energische Protest des BZP bei DIHK und BMVBS habe zu einem Einlenken des DIHK geführt, der aktuelle Stand des Verordnungsentwurfes sehe unverändert die Berufszugangsprüfung in zwei schriftlichen und einem mündlichen Teil vor.

Ein heiß diskutiertes Thema sei der „Fiskaltaxameter". Es gebe durchaus gewichtige Stimmen im Taxigewerbe, die sich für die Einführung solcher Geräte aussprechen. In einer dezidierten Stellungnahme gegenüber dem Finanzministerium habe sich der BZP mit dem Entwurf eines BMF-Schreibens zur Aufbewahrung digitaler Unterlagen bei Bargeschäften auseinandergesetzt, der eine isolierte Taxenlösung vorsah. Dieses - so das sachliche Hauptargument des BZP - würde unausweichlich eine „Flucht in den Mietwagen" und damit nicht weniger als das Ende der Funktionsfähigkeit des Taxigewerbes als öffentliches Verkehrsmittel bewirken. Das juristische Hauptargument des BZP laute, dass es keine gesetzliche Ermächtigung gibt, die eine solch weitgehende Feststellungsverpflichtung des Unternehmers erzeugt. Die BZP-Stellungnahme jedenfalls sei aus Kreisen der Finanzverwaltung als die „gründlichste und sachlichste" gelobt worden und habe dort die Problematik der notwendigen Einbeziehung von Mietwagen in ihrer ganzen Tragweite erst richtig bewusst gemacht.

Das Ende Oktober 2008 gestartete „car2go"-Projekt sei nach sehr positiver Bewertung von der Daimler AG mit mittlerweile 300 Smarts in den Realbetrieb gegangen. Die Projektverantwortlichen hätten dem BZP versprochen, dass car2go ein Projekt für aufstrebende Millionenstädte sei und deshalb mit Ausnahme der Ulmer Kollegen kein deutscher Taxiunternehmer getroffen wird. Fakt sei, dass die Nutzung sehr einfach und technisch ausgereift sei. Das Gewerbe werde offenbar erfolgreiche Mobilitätskonzepte nicht aufhalten können. Es gelte vielmehr die These zu überprüfen, ob solche Angebote in Metropolen nicht zulasten der Privat-PKW-Nutzung neue Mobilitätswege ebneten, was wieder zu einer zusätzlichen Auslastung auch der Taxibranche führen könnte.



TAXI wird in Leipzig immer groß geschrieben - Impression aus der Messe-Glashalle

Auch der vierte Taxizentralenkongress am 29. und 30. Oktober 2009 in Hannover sei als voller Erfolg zu verbuchen. Eines der behandelten Themen sei die auf BZP-Initiative hin entwickelte einheitliche Taxischnittstelle CiA 447 gewesen, die sich auf dem besten Wege zu einem künftigen Industriestandard im gesamten Sonderfahrzeugbereich befindet. CiA 447 biete nicht nur die historische Chance, den finanziellen wie technischen Aufwand bei der Umrüstung eines PKW zu einem Taxi zu reduzieren und künftige Anwendungen und Prozesse zur Erschließung neuer Geschäftsfelder zu ermöglichen. Auch die Tendenz zur Reduzierung der Einbauräume und Sicherheitsvorschriften dränge zukünftig regelrecht zur Integration der Vermittlungssysteme in das eingebaute Fahrzeugdisplay und lege auch hier die Nutzung des CiA-Standards nahe. Eine wichtige Rolle bei der hoffentlich schnellen Marktdurchdringung von CiA 447 spiele eine Arbeitsgruppe innerhalb der Standardisierungsorganisation „Can in Automation" (daher CiA), die in Zusammenarbeit mit dem BZP alle wichtigen Branchenlieferanten bereits an den Tisch gebracht hat. Bei besten Voraussetzungen, hier einen wirklich großen Wurf im Interesse von Branche und Industrie zu erreichen, seien alle bisher noch nicht eingebundenen Firmen dringend aufgerufen, sich ebenfalls einzubringen.

Erfolgreich baue der Bundesverband auch die Exklusivvorteile für BZP-Mitglieder wie mit den Rahmenabkommen mit ORLEN bzw. STAR und ARAL wie auch der Telekom aus, so könnten Mitglieder von BZP-Organisationen z.B. mit einem Nachlass für Diesel von 2,5 Cent/Liter bei ARAL tanken. Ganz aktuell habe man mit A.T.U vereinbart, dass für Mitglieder beim Reifenkauf die Montage kostenlos erfolgt, eine weitere Ersparnis von über 30 Euro.

Ein sehr ansehnlichen Erfolg des Verbandes sei, dass der BZP erneut die EU-weite Ausschreibung der Taxidienstleistungen für die Deutsche Bahn AG gewonnen hat und so die seit 2007 auf Grundlage eines Rahmenvertrages intensivierte Kooperation mit dem größten Verkehrsträger beim Störungsmanagement fortgesetzt wird. Maßgeblich hierfür sei unter anderem, dass der Bundesverband wegen seines hohen Organisationsgrades auf eine nahezu flächendeckende Struktur in der Bundesrepublik zurückgreifen kann und sich die Zusammenarbeit zwischen Bahn und BZP sehr bewährt hat. Preislich habe der BZP wieder erfolgreich verhandelt: außerhalb der Gebiete mit Tarifbindung gelte ab dem 1.3.2010 ein Entgelt von 0,65 Euro je gefahrenen Kilometer bzw. 0,76 Euro bei Großraumfahrzeugen.

Mit neuen Mitgliedern wie der Fachvereinigung Personenverkehr des Landesverbandes Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV) aus Erfurt und dem Fördermitglied Prävent GmbH für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit aus Dortmund erfreue sich der Bundesverband mit mittlerweile 49 Organisationen des Taxi- und Mietwagengewerbes als engeren Mitgliedern und 22 Fördermitgliedschaften breiterer Unterstützung und Anerkennung denn je.

Der bundesweiten gemeinsamen Vermarktung der Taxi-Dienstleistungen widmete sich ein Initiativantrag, den der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmer einbrachte. Landesverbands-Vorstand Wolfgang Ziegler analysierte die gegenwärtig nur regional funktionierende Vermarktung, um angesichts nur eingeschränkt erfolgreicher bundesweiter Rufnummernangebote und in allerjüngster Zeit regelrecht inflationär angebotener Mobilfunk-Applikationen („Apps") zur direkten Bestellung für Taxikunden eine übergreifende Lösung in der Hand des BZP zu fordern. Auf Basis einer zu erschaffenden Datenbank sollten bspw. InternetportaleTelefonauskünfte und ein Zentralen-System übergreifendes App eine bundesweit funktionierende direkte Vermarktung des Gewerbes ermöglichen, ohne dass Dritte sich in die bestehenden Kundenbeziehungen der Zentralen reindrängelten und dann die Hand aufhielten. Mit überwältigender Mehrheit wurde eine Arbeitsgruppe beauftragt, sich der best möglichen Umsetzung anzunehmen.

Nach einem Bericht des BZP-Vorstandsmitgliedes Peter Zander über die Entwicklung bei Gefahrtarifen und den Mindestentgelten in der BG Verkehr stellte Dr. Eiad Awwad von der Prävent GmbH das neu entwickelte Konzept der arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuung des in Dortmund ansässigen Unternehmens vor. Die seit rund einem Jahrzehnt in diesem Bereich tätige Prävent betreut derzeit bereits Zentralen und Verbände in Dortmund, Bremen und Frankfurt. Neu ist ein Komplettpaket, das bundesweit alle erforderlichen Untersuchungen und einen Informationsdienst für 24,50 Euro pro Mitarbeiter und Jahr anbietet, BZP-Mitglieder erhalten diesen Service sogar für unschlagbar günstige 19,90 Euro.



"Full House" beim BZP-Stand in der Glashalle auch 2010

Am Dienstag folgte ein bei bestem Wetter sehr gut gelungener 14. Taxitag auf der AUTO MOBIL INTERNATIONAL, bei dem der BZP wie bereits in den Vorjahren gemeinsam mit seinem sächsischen Landesverband LVS Exklusivpartner der Messe Leipzig war. In der bei Sonnenschein fast schon tropisch heißen Glashalle präsentierten sich die neuesten Taxi-Modelle, wobei sich hier traditionell vor allem die Importeure aus der weitgehend angetretenen Taxindustrie hervortaten. Zahlreiche andere Anbieter rund um die Dienstleistung Taxi rundeten das Bild ab und boten dem zahlreich erschienenen Fachpublikum eine breit gefächertes Angebot.

Gut nullbesucht war dabei auch die von LVS und BZP ausgerichtete Podiumsveranstaltung in dem Congress Centrum Leipzig: Hunderte von Zuschauern verfolgten die Referate von BZP-Präsident Fred Buchholz zur aktuellen Entwicklung im Taxi- und Mietwagengewerbe, dem Rechtsreferat zu aktuellen Entscheidungen zur Abgrenzung zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr von BZP-Geschäftsführer RA Thomas Grätz sowie zum spezifischen Datenschutz bei Taxizentralen. RA Dr. Kluth aus Hamburg zeigte die bisher häufig unterschätzte Brisanz auf, die die sehr datensensible Vermittlungstätigkeit einer modernen Zentrale mit sich bringt. Der BZP hat sich hierbei weitere Aufklärung und die Sensibilisierung des Gewerbes auf die Fahne geschrieben.

Regelrecht in einer Menschenmenge verschwand dann der BZP-Messestand bei der mittäglichen Auslosung der Tombolagewinne. BZP-Fördermitglieder und -Zentralen sowie dem Gewerbe verbundene Industrie hatten wieder Navigationsgeräte, iPods, Uhren, Werkstatt- und Treibstoffgutscheine, ein Fahrsicherheitstraining sowie Städtereisen nach Berlin, Bremen, Chemnitz, Dresden und Leipzig spendiert und damit zahlreiche Besucher nicht nur an Erfahrungen reicher nach Hause fahren lassen.



Taxi-Repräsentant Robert Wilhelm von Mercedes gratuliert der Hauptgewinnerin Sigrid Rustow

Der Hauptgewinn, ein Mercedes-Benz Fitnessbike Sport im Wert von 1.099 Euro kam genau in die richtigen Hände: Sigrid Wustrow aus Leipzig, seit 1960 (!) Taxiunternehmerin, ist passionierte Radfahrerin. Kein Wunder: Ihr Mann, Taxiunternehmer Siegfried Rustow, wurde im gleichen Jahr (!) in Leipzig Vizeweltmeister bei Steher(-rad)rennen, 1961 Deutscher Meister und erneut Vizeweltmeister in der gleichen Disziplin. Taxi-Repräsentant Robert Wilhelm von Mercedes-Benz hat sicher selten so einen Volltreffer gelandet wie bei diesem Preis für die sympathischen Hauptgewinner, die es vor Freude kaum fassen konnten.

Bei einem so gut gelungenen Taxitag kam am Ende doch Wehmut auf, dass die nächste AMI erst 2012 stattfindet. Bereits im letzten Jahr fiel mitten in der Wirtschaftskrise die Entscheidung, in einen zweijährigen Turnus zu wechseln.

(Meldung vom 19.04.2010)