Rückblick auf die Europäische Taximesse 2010: Die weltweit größte Taximesse in Köln glänzt mit hohen Besucherzahlen und weiter gestiegener internationaler Resonanz. DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wansleben signalisiert dem BZP Unterstützung bei Qualifikationsinitiative und Umsatzsteuerdiskussion!

Die Europäische Taximesse hat Köln auch im ersten Novemberwochenende 2010 wieder zu der Metropole des Taxigewerbes werden lassen. Die im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes e.V. (BZP) eröffnete Messe hat ihre internationale Ausrichtung weiter deutlich verstärkt: hochkarätige Referenten und ein vielbeachtetes IRU-Symposium unterstrichen das hohe Interesse, das der größten Messe für das Taxigewerbe europaweit und teilweise sogar in Übersee gewidmet wird.



"TAXI" wohin man schaut und wieder rund 14.000 Besucher auf der ETM 2010!

Mit rund 14.000 Besuchern konnte das Rekordniveau von 2008 der unter dem Motto "TAXI: PARTNER MOBILER BÜRGER" mittlerweile 10. Europäische Taximesse wieder erreicht werden, die Messe präsentierte sich aber noch internationaler. 106 Aussteller aus 12 Ländern zeigten in der Großhalle 4.1 Präsenz, schätzungsweise ein Viertel der Besucher kam aus dem Ausland, hier vor allem aus Skandinavien, Benelux und Osteuropa. Geboten bekamen sie wieder alles, was das Taxlerherz auch außerhalb Deutschlands erfreut. Bei den Fahrzeugen lag der Fokus des Interesses neben den breit präsentierten Speziallösungen für die Behindertenbeförderung vor allem auf alternativen Antriebskonzepten. Hier hat die ETM schon eine lange Tradition, bereits 1992 (!) wurde hier erstmals ein Hybridfahrzeug vorgestellt. Dem aktuellen Trend entsprechend zeigten sich zahlreiche Hybrid- und Erdgasfahrzeuge sowie hocheffiziente, umweltfreundliche Dieselmodelle, die als Taxi bereits erhältlich sind oder kurz vor der Markteinführung stehen. Auch 2 Serien-Elektroautos konnte auf ihre Taxitauglichkeit hin begutachtet werden.



Die ganze Bandbreite: Erste Vision eines E-Taxis... und mit 317 km/h das "schnellste Taxi der Welt" - der SLS AMG

VW kam gleich mit einem ganzen Strauß an neuen Modellen: SharanTouran und auch der nagelneue Passat waren als Weltpremieren im Taxitrimm zu sehen, VW Nutzfahrzeuge präsentierte die Taxi-Neuauflagen des Caddy Maxi und des Caravelle. Den Vogel schoss aber mit einem kleinen Augenzwinkern Mercedes ab, mit dem 571 PS starken und 317 km/h schnellen SLS AMG wurde „das schnellste Taxi der Welt" der absolute Publikumsliebling. Fast ein wenig verblasste daneben die von vielen umweltbewussten Unternehmern heiß ersehnte Erdgas-Variante der neuen E-Klasse, die hier erstmals in Augenschein genommen werden konnte.



Mit 3 Taxi-Weltpremieren groß dabei: VW; Vorschau auf die neue Erdgas-E-Klasse

Über mangelndes Interesse konnte sich auch der BZP-Messestand nicht beklagen. Tausende von Besuchern hielten die hier Rede und Antwort stehenden Vorstände, Delegierten und Ausschussmitglieder des Bundesverbandes durchgehend gehörig in Trab. Mehrere tausend Sets Infomaterial des BZP gingen über die Theken. Mit von den Kollegen der Taxi-Zentrale Nürnberg eG sowie des Taxi-Ruf Bremen gestifteten, limitierten Taximodellen wurde ein Spendenerlös von über 3.000 Euro zugunsten der TAXIstiftung erzielt. Auch die International Road Transport Union (IRU) zeigte in der Messehalle Präsenz und wandte sich mit einem im BZP-Stand integrierten Counter an das internationale Publikum.

Den internationalen Anspruch konnte die ETM auch durch ihre politischen Foren mehr als erfüllen:

Auf dem mittlerweile 4. internationalen Taxiforum der IRU konnten rund 200 Besucher aus ganz Europa, aber auch aus „exotischen" Ländern wie Nigeria, Palästina, Benin und sogar Nepal Berichten und Diskussionen folgen, die z.B. das Thema Altersangewiesenheit aufs Taxi, aber auch weiterhin insbesondere das Dauerthema Qualitätsverbesserung aus den unterschiedlichsten nationalen Gesichtspunkten beleuchteten. Vor allem die Teilnehmer aus den osteuropäischen Staaten zeigten großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit der IRU. Interessenten sei hier die umfassende Information auf der IRU-Webseite (www.iru.org/index/en_4thTaxiForum) ans Herz gelegt.

Bei der Podiumsveranstaltung am Freitag mit Mathieu Grosch (Mitglied des Europäischen Parlaments und dort Koordinator der EVP-Fraktion im Verkehrsausschuss) konnten sich 1.800 Teilnehmer aus erster Hand über die europäische Verkehrspolitik der Zukunft mit den Hauptzielrichtungen einer sicheren, sauberen und effizienteren Mobilität informieren lassen. Dabei widmete der sympathische Belgier der Taxipolitik immer wieder besondere Aufmerksamkeit und zeigte sich für die Anliegen des Gewerbes sehr offen und interessiert. So bedauerte er, dass das Taxigewerbe nicht von der EU-Richtlinie zur Grundqualifikation und Weiterbildung der Fahrer für den Güter- und Personenverkehr umfasst wird. Die Gewährleistung der hier festgelegten Mindestanforderungen wäre auch für den Taxisektor von großem Vorteil. Das gleiche gelte auch für die Nichteinbeziehung der Taxibranche in die EU-Berufszugangsrichtlinien, auch, wenn es in einigen Ländern wie Deutschland entsprechende nationale Richtlinien gebe. Einheitliche Berufszugangsregeln für die ganze EU verbesserten die Berufsqualifikation und Dienstleistungsqualität und kämen damit nicht nur den Fahrern und Kunden, sondern letztlich der gesamten Wirtschaft zugute. Er schloss mit dem Bekenntnis, dass der Taxisektor ein wichtiger Bestandteil der Europäischen Verkehrspolitik sei, der wesentliche Beiträge für die Hauptziele der Nachhaltigkeit, Sicherheit und Effizienz des Straßenverkehrs leisten könne.

Bei der BZP-Abschlusskundgebung am Samstagnachmittag wurde Dr. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, von rund 5.000 (!) Teilnehmern begrüßt. In seinem ausgesprochen frischen Vortrag über die deutsche Verkehrspolitik aus Kammersicht verblüffte der prominente Redner mit so manchem Statement - entsprachen sie doch teilweise gar nicht dem, was man aus Richtung der Kammern bei deren allgemeinen Vorliebe zu Bürokratieabbau und weniger Regulierung erwartet hatte.



Ganz großer Promi-Auflauf: EU-Verkehrspolitiker Mathieu Grosch und DIHK-Geschäftsführer Dr. Martin Wansleben

Gleich zu Anfang seiner spontanen und das ursprüngliche Konzept verlassenden Rede betonte er, dass er froh über die Gelegenheit war, sich vorab auf der Messe mit Vertretern von BZP-Vorstand und -Geschäftsführung über Positionen austauschen zu können. Offensichtlich auch unter dem Eindruck des Messebesuchs führte er zu einem derzeitigen politischen Hauptthema aus, der Integration. Angesichts der Leistungen des Taxigewerbes hier müsse man sich fragen, was die ganzen Integrationsgipfel eigentlich sollten: hautnah könne er vom Taxigewerbe sagen, dass es in zweierlei Hinsicht integriert. Erstens in Form der Integration von Menschen in das Gewerbe und zweitens durch Integration nach Außen, die Taxibranche befördere alle Menschen - egal, wo sie herkommen. Zweites Hauptthema war das Taxigewerbe als Garant für die Beförderungsmöglichkeit von mobilitätseingeschränkten Personen. Dr. Wansleben konnte hier aus eigenem, persönlichem Umfeld berichten, weshalb er die enormen sozialen Leistungen des Gewerbes für taxiangewiesene Menschen zu schätzen wisse. Drittens böte das Taxi Sicherheit - auch wenn es hier gelegentliche Ausreißer zu verzeichnen gebe. Ein Beispiel sei die Beförderung von Jugendlichen nach abendlichen Ausgängen. Das Taxigewerbe sei eigentlich ein riesiger Werbebotschafter für die Regionen und Städte und insbesondere in der Nacht Garant für Mobilität und Sicherheit.

Musik in den Ohren waren seine Ausführungen zu der Sicherheits- und Qualifizierungsoffensive des BZP oder auch „kleinen Fachkunde". Er sei hierzu im Vorfeld sehr kritisch beraten worden, habe nun aber auch nach den vorherigen Gesprächen mit BZP-Vertretern den Eindruck mitgenommen, dass das Anliegen möglicherweise anders bewertet werden muss. Die grundsätzliche DIHK-Ausrichtung laute natürlich, dass der Staat dann nicht regeln soll, wenn die Gemeinschaft hierzu selber in der Lage ist. Es gebe allerdings Branchen, wo man ganz einfach dann irgendwann auch einmal sagen müsse, man habe alles getan, schaffe es aber angesichts des Umfeldes nicht und brauche deshalb Hilfe von Dritten. Dies könnte ein Ansatzpunkt für eine Unterstützung der kleinen Fachkunde durch den DIHK sein. Er werde sich dafür einsetzen, dass im Haus der deutschen Wirtschaft zusammen mit den maßgeblichen Verkehrspolitikern und dem Bundesverkehrsminister untersucht werden soll, welche Schritte die richtigen sind. Hinsichtlich der Umsatzsteuer habe er sich ebenfalls überzeugen lassen, dass Grundnahrungsmittel und Mobilität Grundbedürfnisse der Menschen sind, weshalb lange vor einer Streichung des Taxiprivilegs erst einmal ganz andere Positionen anstünden.



5000 Zuschauer und 1 Hauptgewinner: Hans-Jürgen Kück mit Gratulanten von BZP, FP Nordrhein und Mercedes

BZP-Präsident Fred Buchholz zeigte sich in seiner Erwiderung gleichzeitig ein wenig ratlos und hocherfreut: Ratlos, weil Wansleben einen Großteil seiner vorbereiteten Gegenstatements ins Leere laufen ließ. Und natürlich hocherfreut, in einen so konstruktiven und fruchtbaren Dialog eingetreten zu sein. In der anschließenden Tombola konnte sich mit Hans-Jürgen Kück ein Unternehmer aus Bremen über den Hauptgewinn freuen, ein Mercedes-Benz E 200 CDI-Taxi.

Die großzügigen Räumlichkeiten der Kölner Messe sowie die gewohnt perfekte Organisation der ETM durch das Team der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein Taxi-Mietwagen e.V. mit seinem unermüdlichen Einsatz ließen Aussteller und Besucher also wieder etwas ganz Besonderes erleben, entsprechend positiv bis begeistert waren die Reaktionen. Wieder einmal bestätigte sich: Wer im Taxigewerbe etwas bewegen will, kommt an Köln einfach nicht vorbei!

Doch was wäre eine solche Veranstaltung ohne begleitende Rahmenveranstaltungen und Events? Ein herzlicher Dank deshalb hier an die zahlreichen Sponsoren von Delegierten- wie Rahmenveranstaltungen und Tombolas - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - Daimler, Volkswagen, Versicherung der Kraftfahrt, Citroën, Opel und Skoda. Ohne Ihre großzügige Unterstützung wäre Köln nur halb so schön!

Fotos: Peter Jost und Frederik Wilhelmsmeyer

(Meldung vom 15.11.2010)