IRU-Taxigruppe legt mittelfristigen Arbeitsschwerpunkt auf die Verbesserung des Branchenansehens - das bisherige Präsidium wird wieder gewählt!

Am 14. April fand in Genf die Frühjahrstagung der Taxigruppe der IRU statt. Zu Beginn dieses von Verbänden aus 11 europäischen Ländern besuchten Treffens gab der aus den Niederlanden stammende Vorsitzende Hubert Andela einen kurzen Überblick über die anstehenden Aufgaben. Schwerpunkte dieses Jahres werden vor allem das 4. internationale IRU-Taxiforum in Verbindung mit der Europäischen Taximesse, der Aktionsplan zur Bewerbung des Images und der Rolle von Taxis in ihren Ländern, die Regelungen des Zugangs zum Beruf sowie zur Überfall- und Straßenverkehrssicherheit sein.

Bevor diese Punkte näher untersucht wurden standen aber zunächst Wahlen an. Offenbar waren die Verbände mit der Arbeit des Präsidiums in den vergangenen Jahren nicht unzufrieden, denn per Akklamation wurden das Präsidium mit Hubert Andela als Vorsitzenden und Nina Nizovsky aus Finnland sowie Thomas Grätz vom BZP als Vizepräsidenten für zwei Jahre wieder gewählt.

Große Übereinstimmung dann auch beim nächsten Punkt, der Verabschiedung eines Aktionsplanes zur Verbesserung des Ansehens des Taxis in Europa. In der Diskussion wurde auch festgestellt, dass diese Überlegungen sich auch mit vielen nationalen Initiativen decken. Viele Verbände haben ebenfalls erkannt, dass die vielfältigen Leistungen, die das Taxi gegenüber der Öffentlichkeit erbringt, keine adäquate Anerkennung in der Öffentlichkeit finden. Im Einzelnen enthält der Aktionsplan der Gruppe folgende Elemente:

  • Übersetzung, Produktion und Verteilung der „Did you know?" Broschüre auf den nationalen Ebenen
  • Übermittlung von aktuellen und nationalen Entwicklungen, die die Hauptstoßrichtung dieser Broschüre unterstützen: Taxi als Mobilitäts-, Wirtschafts- und sozialer Faktor; Taxisicherheit; Taxiverkehr als Beitrag für eine bessere Umwelt, Zufriedenheitsfaktor der Fahrgäste
  • Verbreitung der Taxifahrersicherheits-Checkliste in der nationalen Sprache an die Mitgliedsunternehmen und Fahrer
  • Gleiches hinsichtlich der Taxifahrerzugänglichkeits-Checkliste
  • Aktive Teilnahme an dem IRU-Ehrendiplom, in dem geeignete Kandidaturen von Fahrern übermittelt werden und die Ehrungen auch als nationale Presseevents dargestellt werden.

Dazu noch nicht genug, weiterhin wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die europaweite gemeinsame Strategien zur Imageverbesserung entwickeln soll. An dieser AG wird auch BZP-Vizepräsident Michael Müller aktiv teilnehmen.

Der nächste Punkt war die Behandlung eines vorgelegten Entwurfs für eine Fahrer-Checkliste, die Hilfestellung zu der Problematik der illegalen Grenzübertritte geben soll. Dieser Entwurf basierte auf einem Papier, welches früher für Busfahrer entwickelt worden war. In der Diskussion stellte sich aber schnell heraus, dass eine Übernahme wenig Sinn macht. Es scheint so, dass in dieser sehr sensiblen Frage zwischen dem nachvollziehbaren Wunsch des Taxifahrers nach Durchführung von Fahrten einerseits, dem staatlichen Interesse an der Verhinderung von illegaler Immigration andererseits keine auf alle Fälle passende Lösung gefunden werden kann. Letztlich liegt hier die Verantwortung für die Einschätzung der Situation tatsächlich beim Fahrer selbst. Außer einer Aufklärung über die Risiken in dieser Situation können die Verbände kaum etwas tun. Trotzdem wird das Sekretariat der IRU Gespräche mit der Europäischen Kommission führen.

Die allgemeine Fahrer-Checkliste wird im Moment in die verschiedenen Sprachen übersetzt und dann in Verbindung mit der Europäischen Kommission von der IRU herausgegeben. Bei der Frage der Kindersitze in Taxis war keine einhellige Meinung zu erzielen. Hier reicht die Range der Meinungen von überhaupt keine Kindersitze bis zum Mitführen von Kindersitzen. Letztlich wurde Übereinstimmung erzielt, dass dieser Gesichtspunkt am besten national gelöst wird. Vertieft werden soll die Frage der Verbesserung der Sicherheit durch die Einführung von Videoüberwachung in Taxis. Sehr interessiert wurde die Information von dem Bremer Testlauf mit permanenter Videoüberwachung vernommen. Insbesondere die Tatsache, dass seit dem kein einziger Überfall auf Fahrer mehr stattgefunden hat, führte zu zahlreichen Nachfragen. Dabei wurden natürlich auch die Fragen der Datensicherheit und Privatsphäre des Fahrgastes angesprochen.

Aus Finnland berichtete Nina Nizovsky zum Thema Berufszugang, das dort ein Taxifahrertraining obligatorisch ist und dieses auch alle 5 Jahre wiederholt werden muss. Diese seit 2010 eingeführte Regelung verlangt einen 30stündigen Kurs, in dem Basisfakten und -wissen von der Berufsorganisation bei 100%iger Präsenzpflicht beigebacht wird. Die Prüfung findet dann durch die Behörden statt. Das Wiederholungstraining verlangt dann nur einen 7stündigen Kursbeitrag. Die Inhalte entsprechen dem, was sich der BZP für seine Kleine Fachkunde vorstellt. Man sieht, dass die Skandinavier mal wieder den Deutschen voraus sind.

Einen Ausblick auf das 4. Internationale Taxiforum der IRU am 5. November in Köln beherrschte sodann die Diskussion. Das Motto dieses Forums wird lauten: „Das Image des Taxigewerbes: Hin zu einem Konzept für sichere und nachhaltigere Taxidienste für Alle". Im Wesentlichen war die Gruppe mit den Vorstellungen einverstanden, ergänzt wurde aber, dass unbedingt auch die Rolle des Taxis als Teil des öffentlichen Verkehrswesens thematisiert werden sollte.

Die generelle Arbeitszeit-Richtlinie sowie insbesondere auch die sektorale für den Transportbereich, beide derzeit in der europäischen Abstimmung, wurde vom Verantwortlichen für Sozialfragen der IRU, Damian Viccars, eingehend dargestellt. So ganz vom Tisch ist im Moment noch nicht, dass auch anders als bisher Fahrzeuge unter 3,5 t einbezogen werden könnten. Die IRU hält natürlich hier klar dagegen und sieht auch derzeit ganz gute Chancen, dass es bei dem Ausschluss der Taxen und Mietwagen bleiben wird. Zum Abschluss dankte jetzt der Generalsekretär Martin Marmy, der eigens zur Gratulation gegenüber den wiedergewählten Präsidiumsmitgliedern Gast der Sitzung war, für die engagierte Arbeit der Gruppe, welche dadurch die Taxibranche ganz eng in die Gemeinschaft des Verkehrsgewerbes innerhalb der IRU fügt.

(Meldung vom 11.06.2010)