Sitzung des Erweiterten Vorstandes des BZP und 13. Taxitag in Leipzig: Die Delegierten des Bundesverbandes fordern einstimmig eine verbesserte Fahrerqualifikation und bekräftigen den gewerbepolitischen Kurs des BZP-Vorstands. Der Taxitag auf der Auto Mobil International behauptet im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld seine Ausnahmestellung auf der Taxiagenda.

Wie in den vergangenen Jahren nutzte der Bundesverband die „Auto Mobil International" auf dem Leipziger Messegelände, um am Vortag des Taxitages am 31.03.2009 gewerbepolitische Weichen zu stellen. Dabei wurde der Kurs des BZP-Vorstandes, in wirtschaftlich unruhigen Zeiten besonders auf Dienstleistungsqualität und Eroberung neuer Geschäftsfelder zu setzen, durch ein einstimmiges Votum des Erweiterten Vorstandes zugunsten einer verbesserten Fahrerqualifikation eindrucksvoll bestätigt.

Eingangs seines Rechenschaftsberichtes konnte Präsident Fred Buchholz noch gute Nachrichten verkünden, so war seit Anfang 2008 kein Taximord mehr zu beklagen. Um sich dann aber sofort mit einer Betrachtung der wirtschaftlichen Situation weniger erfreulicheren Aspekten zu widmen, er stellte das Gewerbe auf schweres Fahrwasser ein. Sämtliche Prognosen der Wirtschaftsinstitute zeichneten immer düstere Bilder, dramatische Exporteinbrüche und steigende Erwerbslosenzahlen würden sich zwangsläufig auch auf das Gewerbe auswirken, selbst wenn der Einbruch hier noch nicht eindeutig angekommen sei. Deutschland befinde sich in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte, eine Erholung sei nicht vor Jahresende 2010 zu erwarten.

Bei insbesondere im Geschäftsreiseverkehr zu erwartenden Einbrüchen sei es umso wichtiger, dass das Gewerbe andere brachliegende Felder erschließt: So erfülle ein wachsender Personenkreis das Merkmal der „Taxiangewiesenheit", neben körperlich mobilitätseingeschränkten Menschen umfasse dieser eine zunehmende Anzahl von Älteren und Alten, die trotz vorhandener finanzieller Mittel aufs eigene Auto verzichten, weil sie sich bspw. dem Verkehrsstress nicht mehr gewachsen fühlten. Hier verberge sich eine riesige Zukunftschance, die eigentlich nur mit großer Dummheit zu verpassen sei.

Auf politischer Ebene hätten sich Präsidium, Vorstand und Geschäftsführung des BZP in den letzten Monaten mit sämtlichen verkehrspolitischen Sprechern aller Bundesparteien ausgetauscht und dabei erfreuliche Ergebnisse erzielen können. Während PBefG-Novelle und Eichvorschriften derzeit auf Eis lägen, sei man mit der seit vielen Jahren beharrlich vorgetragenen Forderung nach verbesserter Fahrerqualifikation endlich auf fruchtbaren Boden gestoßen. Auch vor dem Hintergrund steigender Schadensquoten und offensichtlich außergewöhnlicher Nachlässigkeit eines Teils der Fahrerschaft habe man überzeugen können, dass eine höhere Qualifizierung der Taxifahrer nicht nur aus Verkehrssicherheits-, sondern auch aus Verbraucherschutzgründen dringend notwendig sei.



Präsident Fred Buchholz konnte sich freuen: 100%ige Zustimmung zur BZP-Initiative "Eine verbesserte Qualifizierung für Taxifahrer ist notwendig!"

Im Vorstand und innerhalb einer sehr schnell zusammengestellten Gruppe aus Mitgliedern der Ausschüsse „Verkehrs- und Gewerbepolitik" sowie „Arbeit und Soziales", Experten der BGF und der Versicherungswirtschaft habe man folgendes, auch auf vorherigen Beschlüssen des Erweiterten Vorstandes basierende Maßnahmenprogramm entwickelt:

  • Einführung einer „Kleinen Fachkunde" für Taxi- und Mietwagenfahrer
  • Bundeseinheitliche Vorschrift über einen auszulegenden Fahrerausweis
  • Generelle Anschnallpflicht in Taxis und Mietwagen
  • Ortskenntnisprüfung sowohl mündlich wie schriftlich in deutscher Sprache

Dieses sei dann von den verkehrspolitischen Sprechern der Großen Koalition, den MdB´s Uwe Beckmeyer (SPD) und Dirk Fischer (CDU) gemeinsam an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee herangetragen worden und stehe ganz oben auf der Agenda.

Kleiner Exkurs: Das später auf der Sitzung von BZP-Vizepräsident Dietmar Schmidt genauer vorgestellte Paket für die Ausbildung zur Kleinen Fachkunde wurde eingehend beraten. Überzeugen konnte das Argument, dass eine nachhaltige Qualitätssteigerung im Gewerbe nur dann möglich ist, wenn dem gesamten Fahrpersonal das notwendige Rüstzeug für professionelle Personenbeförderung vermittelt wird. Das Gewerbe könne es sich auf Dauer gar mehr nicht leisten, diese Anstrengungen zu unterlassen. Dementsprechend auch das einstimmige Votum der Delegierten, die den Vorstand beauftragten, die begonnene Qualifizierungsoffensive „Eine verbesserte Qualifizierung für Taxifahrer ist notwendig" mit großem Nachdruck weiter zu betreiben.

Präsident Buchholz führte fort, dass der BZP-Vorstand nicht ohne Sorgen und sehr aufmerksam das in Ulm betriebene Hightech-Carsharing-Projekt „car2go" der Daimler AG verfolgt. Dieses sei für den potentiellen Nutzer einfach zu handhaben und bereits jetzt technisch ausgereift. Auch wenn Daimler mit der Erprobung künftiger Mobilitätskonzepte nicht im Taxibereich wildern möchte, könne man sich angesichts ähnlicher Projekte anderer Anbieter nicht der Hoffnung hingeben, dass man diese Züge aufhalten kann. Gegebenenfalls müsse man sein Angebot danach ausrichten.

Auf dem vierten Taxizentralenkongress am 29. und 30. Oktober 2009 in Hannover werde man in bewährter Weise technische und administrative Themen behandeln, wobei die einheitliche Taxischnittstelle CiA 447 sicher dazu gehört. Die insbesondere auf BZP-Initiative zurückzuführende Lösung sei auf dem besten Wege, der künftige Industriestandard nicht nur im Taxigewerbe, sondern im gesamten Sonderfahrzeugbereich zu werden. Mit dem in Leipzig erstmalig präsentierten neuen E-Klasse-Taxi W 212 bringe Mercedes das erste Fahrzeug, das mit der neuen Schnittstelle ausgerüstet ist.

Erfolgreich agiere der Bundesverband auch bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So funktioniere das im letzten Jahr eingeführte System der Gutscheinfahrten für die Deutsche Bahn mit der Abrechnung über autorisierte Zentralen inzwischen reibungslos, jüngst habe man der Bahn auch um rund 9 % verbesserte Entgelte abringen können. Die Exklusivvorteile für BZP-Mitglieder würden sukzessive ausgebaut, jüngstes Kind seien Rahmenabkommen mit ORLEN bzw. STAR, die einen Nachlass von 3,0 bzw. 2,0 Cent auf den Liter Diesel gewährten. Mit der neuen A.T.U-Barzahlungskarte könnten auch Barzahlungen zu den BZP-Konditionen mit bis zu 30 % Rabatt erfolgen. ARAL habe den Exklusiv-Nachlass für Diesel auf 2,5 Cent/Liter erhöht. Auf BZP-Initiative habe auch die Fahrzeugindustrie wieder mit zahlreichen Sonderaktionen zur Entlastung des Gewerbes beigetragen.

Auch der Wiedereinstieg dreier Zentralen aus Hanau, Frankfurt und Offenbach und das neue Fördermitglied Deutsche Telekom bestätigten, dass nicht nur das Gewerbe, sondern auch Politik und Industrie den BZP als DIE Interessenvertretung des Taxi- und Mietwagengewerbes respektierten und schätzten. Der Verband sei stärker denn je und könne als Speerspitze des Gewerbes dabei auf die Solidarität, Ideen und Mitarbeit seiner Mitglieder zählen.

Mit der silbernen Ehrennadel wurde ein solcher Gewerbevertreter geehrt, Adalbert „Addi" Bogalski war zum Jahresanfang aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des ersten Vorsitzende des Landesverbandes für das Taxi- und Mietwagengewerbe Schleswig-Holstein e.V. zurückgetreten, wo er jahrzehntelang ehrenamtliche Gewerbearbeit geleistet hat.

Nach dem eindeutigen Votum zur BZP-Offensive „Eine verbesserte Qualifizierung für Taxifahrer ist notwendig" (siehe oben) berichtete BZP-Vorstandsmitglied Peter Zander über die Neuregelung der Meldepflichten zur Sozialversicherung ab Anfang dieses Jahres. Auch wenn die Sofortmeldepflicht Missbrauch eindämmt und daher grundsätzlich zu begrüßen sei, würden durch die als „Entbürokratisierung" angekündigte Novellierung Meldungsumfänge und Verfahren abermals erheblich komplizierter und für die Unternehmer kaum noch handhabbar. Auch mit der zum Rentenversicherungsträger wechselnden Zuständigkeit für Betriebsprüfungen erweise man den Unternehmen einen Bärendienst. Hier ginge es nicht um sachgerechte Lösungen, sondern schlicht um die Unterbringung von 3.000 überzähligen Angestellten der Rentenversicherung.

Nach einem mit viel Interesse aufgenommenen Bericht des ersten Vorsitzenden der Taxenunion Hansa, Thomas Lohse, über die seit einiger Zeit rigide Wiedererteilungs- und Betriebsprüfungspraxis in Hamburg und einer positiven Bewertung des sogenannten „Hamburger Modells" berichtete der Geschäftsführer der Taxifachsparte des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen, Hartmut Knaack, über die Aus- und Fortbildungsförderung für Unternehmen im Taxi- und Mietwagenbereich, wonach Falk Reimann von der Sächsischen Aufbaubank ganz konkret die Förderungsmöglichkeiten aus Mitteln des europäischen Sozialfonds am Beispiel Sachsens beschrieb, die auch in den anderen Bundesländern ähnlich gehandhabt werden. Der auch im GVN-Bildungswerk engagierte Knaack forderte, dass sich das Gewerbe sehr ernsthaft mit dem Berufsbild einer „Fachkraft für den Taxi- und Mietwagenverkehr" auseinandersetzen sollte. Selbst für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen gebe es mittlerweile eine Ausbildungsverordnung. Der Umgang mit Päckchen, so spitzte Knaack zu, könne aber wohl kaum wichtiger sein als der Umgang mit Fahrgästen!

Das Hallenser BZP-Vorstandsmitglied Dirk Senkbeil konnte schließlich ausführen, dass die durch die Antiterror-Gesetzgebung seit 2008 vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung im Telefonverkehr zwar bspw. auch den GPRS-Datenverkehr moderner Vermittlungssysteme erfasst, sich mit den 6 Monate gespeicherten Daten aber keine Bewegungsprofile erstellen lassen.

Präsident Fred Buchholz beendete die Sitzung dann mit dem Dank an die Sponsoren in Gestalt der Firmen Daimler AG, Volkswagen AG und Opel GmbH sowie der Signal Iduna/VdK-Versicherung.



So wurden die Messebesucher empfangen - und soll es nach Willen von Mercedes auch bald an den Taxiständen aussehen: Weltpremiere des neuen E-Klasse-Taxis

Nachdem sich die Delegierten danach auf einem zünftigen, von der Signal-Iduna und Mercedes gesponserten Leipziger Droschkenkutscherabend entspannten, folgte am Dienstag ein trotz herrlichem Wetter ordentlich besuchter 13. Taxitag auf der AUTO MOBIL INTERNATIONAL. Der BZP war wie bereits im Vorjahr gemeinsam mit seinem sächsischen Landesverband LVS Exklusivpartner der Messe Leipzig. Obwohl einige Aussteller aus der Automobilindustrie wie BMW und Fiat die generelle Messeteilnahme vor dem Hintergrund der Krisensituation abgesagt haben, konnte sich zumindest die umfassend angetretene Taxindustrie nicht über mangelndes Interesse beschweren.

Absolutes Messehighlight war die Weltpremiere des Mercedes E-Klasse Taxis, das nicht nur durch massive zahlenmäßige Präsenz an den Messeeingängen, sondern mit ausgefeilten Taxilösungen die Fachbesucher aus der gesamten Bundesrepublik beeindruckte. Gute Resonanz erfuhr auch wieder die Podiumsveranstaltung des BZP in dem Congress Centrum Leipzig: Hunderte von Zuschauern verfolgten die Referate zur Zukunft des Automobilantriebs von Prof. Cornel Stan von der Westsächsischen Hochschule Zwickau, zur rechtlichen Handhabung von Betriebssitzen und Rückkehrpflicht (BZP-Geschäftsführer RA Thomas Grätz) und zur aktuellen Gesamtentwicklung des Taxi- und Mietwagengewerbes von BZP-Präsident Fred Buchholz.



Auch 2009 waren Podiumsveranstaltungen und Messestand des BZP und seines sächsischen Landesverbandes LVS wieder die Publikumsmagnete des Taxitages

In einer Menschenmenge unter ging der BZP-Messestand bei der Auslosung der Tombolagewinne am frühen Nachmittag. BZP-Fördermitglieder und -Zentralen hatten wieder Navigationsgeräte, portable DVD-Player mit TV-Tuner, mobile Fernseher, Uhren, Werkstatt-, Sprit- und Konzertgutscheine sowie Städtereisen nach Berlin, Bremen, Chemnitz, Dresden und Leipzig spendiert und damit viele Taxler nicht nur an Erfahrungen reicher nach Hause fahren lassen. Auch an dieser Stelle noch einmal allen Sponsoren herzlichen Dank für die mit viel Liebe ausgesuchten Preise!

Durch das Engagement des BZP, seiner Verbände, Zentralen und Fördermitglieder wurde auch der 13. Taxitag auf der AMI 2009 nicht nur ein herausragendes gewerbepolitisches Forum, sondern eine respektable Leistungsschau der Taxiindustrie in Deutschland!

(Meldung vom 09.04.2009)