Frühjahrstreffen 2009 der IRU-Taxigruppe: Verkehrssicherheit und Aktionsplan zur Darstellung der Bedeutung des Taxis im Verkehrssystem standen im Mittelpunkt!

Die europäischen Taxi- und Mietwagenverbände waren Anfang April zur Frühjahrstagung der IRU-Gruppe „Taxi und Mietwagen mit Fahrer" nach Genf gereist. Die Vertreter von zwölf Organisationen erlebten eine mit vielen Themen gespickte Zusammenkunft, die auch Impulse für die nationale Tätigkeit der Verbände gab. Denn der Blick über die Grenzen offenbart zwar zumeist durchaus vergleichbare Problemstellungen, andere Lebensumstände führen aber häufig auch zu anderen und neuen Denkansätzen.

In seinem Anfangsstatement informierte der Vorsitzende der Taxi-Gruppe Hubert Andela über einen erfolgreichen Lobbytermin des Taxigruppenpräsidiums in Brüssel. So ergab sich ein Treffen mit der europäischen Kommission, bei dem von Seiten der Beamten großes Interesse an der Taxi-Sicherheitscheckliste der IRU geäußert wurde. Nicht ausgeschlossen ist, dass bald ein gemeinsamer Sticker, der das Tragen von Sicherheitsgurten bei der Taxibeförderung anregen soll, gemeinsam von EU und IRU herausgegeben wird. Auch im Europäischen Parlament wurden mehrere Gespräche geführt, u.a. auch mit dem als Automobilrennfahrer bekannten Ari Vatanen. Bei diesen Gesprächen war insbesondere die Unternehmerqualifizierung Gesprächsgegenstand. Darüber hinaus wurden die Parlamentarier über die Krisenfolgen für die Branche informiert. Von Seiten der IRU wurde dargestellt, dass insbesondere der Geschäftsreiseverkehr und speziell jener von und zu den Flughäfen spürbare Einbußen erlitten hat. Berufszugang, Werbung für Straßenverkehrssicherheit und dort insbesondere das Tragen von Sicherheitsgurten sollten nach Ansicht des Niederländers Andela vorrangig in das zukünftige EU-Weißbuch zu der Verkehrspolitik, das nach der Erstveröffentlichung 2001 jetzt wieder zur Fortschreibung auf der Tagesordnung steht.

Zum Thema Straßenverkehrssicherheit wurde in der Gruppendiskussion noch einmal darauf hingewiesen, dass die nationalen Verbände die Checkliste für Taxifahrer offensiver bewerben sollten. Die schwedischen Kollegen berichteten, dass sie eine moderne elektronische Variante der Checkliste entwickelt haben, die darin besteht, dass bei der Anmeldung für den Datenfunk nicht nur die Registrierung des Fahrers, sondern zudem eine umfangreiche Online-Abfrage über das Funktionieren der Sicherheitssysteme des Fahrzeuges erfolgt. Der schwedische Verband konnte darüber hinaus berichten, dass sie hinsichtlich des Anlegens der Sicherheitsgurte, welches dort auch für Taxifahrer seit drei Jahren Pflicht ist, einen sehr hohen Grad erreichen konnten. Von vormals 25 % ist die Anschnallquote bei den Taxifahrern aktuell auf 90 % gestiegen. Der Verband hatte durch Inforeihen erreicht, dass die angeschlossenen Unternehmen massiv auf ihre Fahrer Einfluss genommen haben, um diese zum Angurten zu bewegen.

Großen Raum nahm die Diskussion über einen Aktionsplan zur Bewerbung der Rolle des Taxis ein. Angesprochen wurde zum einen, dass die Mitgliedsorganisationen eigene Erhebungen aufstellen sollten. Denn nur mit Unterlegung durch umfangreiches Datenmaterial kann eine realistische Sicht auf die Marktbedeutung der Taxibranche dargestellt werden. In Finnland werden bspw. schon heute jährlich vom Verband Verbraucher- und Branchenumfragen initiiert, die aus Verbrauchersicht über ein positives Image der Taxifahrer Bericht geben. Immerhin 8,6 % Punkte auf einer Skala von 10 Punkten würden beim Image erreicht, der einzige kritische Punkt für den Verbraucher sei der Preis der Taxidienstleistung. Die Umfrage habe auch ergeben, dass nicht zuletzt der geringe Verdienst der Grund dafür ist, dass die Taxifahrer von ihrer Tätigkeit keinen sehr positiven Eindruck haben. Mittelfristig sollte aber unbedingt auch im Interesse der Auswirkungen auf die Verbraucher erreicht werden, dass das Fahrpersonal stolz auf seinen Beruf und seine Leistung sein sollte. In der belgischen Hauptstadt Brüssel geht die Stadtregierung den Weg, über Mystery Shopping die Qualität der Taxidienste zu untersuchen. Sie lässt sich dies immerhin 80.000 Euro im Jahr kosten.

Leider hat die zwischenzeitliche Entwicklung auf europäischer Ebene den in der Herbst-Sitzung geäußerten dringenden Wunsch der Gruppe nach Erstellung eines EU-beauftragten Gutachtens darüber, wie sich die Einbeziehung der Taxi- und Mietwagenbranche in die Berufszugangsregeln auswirken würde, erst mal negativ beschieden. Denn im Rahmen eines politischen Tauschgeschäftes zwischen den 27 EU-Mitgliedsstaaten wurde im Rahmen des Gesamtpaketes, welches um die Arbeitzeitregeln im Transportgewerbe verabschiedet worden war, der Taxibereich geopfert. Dies muss als eine Niederlage für die europäische Taxipolitik angesehen werden. Für Deutschland ist dies zwar nicht derart gravierend, weil bei uns die Berufszugangsregeln anders als in den meisten anderen europäischen Staaten existieren. Allerdings ist damit auch erstmals der Weg verbaut, bspw. angemessene finanzielle Voraussetzungen für den Zugang zum Beruf des Taxiunternehmers zu schaffen.

Extreme Marktverhältnisse herrschen mittlerweile in Irland, dies ergab sich in sehr drastischer Weise aus einem von dem irischen Verband NTDU erstellten Videobeitrag. Nachdem vor acht Jahren eine Zulassungsschwemme aufgrund der vollkommenen Freigabe der Konzessionen zu verzeichnen war, stellt sich die Situation in der derzeitigen Krisenlage, die sich in Irland besonders dramatisch auswirkt, bei hoffnungslos überfüllten Standplätzen und 5-stündigen Wartezeiten bis zum nächsten Auftrag für die Unternehmen und Fahrer hoch deprimierend dar. Aufgezeigt wurde das Beispiel von Kanada, wo in einer vergleichsweise nicht so schlimmen Situation der Staat schließlich so reagierte, dass er die zuvor zu freigiebig ausgegebenen Konzessionen zurückkaufte. Auch wurde der Zusammenhang diskutiert, dass in Fällen ökonomischer Krisen öffentliches Geld verwandt wird, um Arbeitslosen zu ermöglichen, Taxifahrer zu werden, wodurch wiederum ein hoher Marktdruck ausgelöst wird.

Auf den Hinweis des BZP, dass die vorgeschlagene EU-Verbraucherrechts-Direktive dazu führen kann, dass der Taxiunternehmer allein bei behaupteter Schlechtleistung durch den Kunden seinem Geld hinterher laufen muss, antwortete die IRU-Geschäftsführung, dass eine starke Gegenwehr der IRU vorbereitet wird. Ein spezieller Workshop, der sich ausschließlich mit diesem Vorschlag für eine EU-Verbraucherschutzdirektive befassen wird, wird dazu im Juni in Brüssel stattfinden. Mit großem Interesse verfolgten die IRU-Mitglieder auch den Bericht von Thomas Grätz über die mittlerweile in Deutschland geschaffene Standard-Taxi-Schnittstelle CIA 447. Vom BZP werden die europäischen Kollegen auf den IRU-Sitzungen immer auf dem laufenden gehalten, um so letztlich den Weg dafür zu ebnen, dass dieser CIA 447-Standard europaweit zu einer Vereinheitlichung und damit einer besseren Kostensituation bei den Kollegen führen wird. Ebenfalls vom deutschen Vertreter wurde über die vorgesehenen EU-Regeln zur Reduktion von CO2-Emissionen bei leichten Nutzfahrzeugen hingewiesen. Diejenigen Taxiunternehmen, die für spezielle Geschäftsbereiche solche Fahrzeuge der Sprinter-Klasse einsetzen, würden widersinnigerweise wegen der hohen Zusatzkosten dazu gezwungen, statt der größeren Fahrzeuge eine Vielzahl kleinerer einzusetzen. Die IRU wurde aufgefordert in der laufenden EU-Debatte die Interessen der Taxiindustrie zu vertreten. Dies wurde von Michael Nielsen, dem IRU-Generaldelegierten für die EU, zugesagt. Diese Diskussion war ihm bisher nur aus Güterverkehrssicht bekannt und er wird zukünftig verstärkt auch den Fokus auf die Verteidigung der Interessen der Personenbeförderer legen.

Auf Einladung des dänischen Verbandes Dansk Taxi Forbund (DTF) wird die nächste IRU-Zusammenkunft am 8. und 9. Oktober in Kopenhagen stattfinden. Kopenhagen ist deshalb prädestinierter Tagungsort, weil Dänemark dann Gastgeber der unter dem Stichwort Kyoto bekannten Klimaschutz-Nachfolgekonferenz sein wird. Dies wird die IRU-Taxigruppe zum Anlass nehmen, die Taxigruppen-Herbstsitzung mit einer sicherlich sehr öffentlichkeitswirksamen Konferenz, die das Thema „Taxi mit umweltfreundlichem Antrieb" darstellen wird, zu verbinden. Dazu sind auch alle interessierten Taxi- und Mietwagenunternehmen aus Europa und der Welt eingeladen.

(Meldung vom 18.05.2009)